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Der Philippinen-Experte und Reiseautor Jens Peters ist seit Jahrzehnten vor allem für sein „Philippinen Reise-Handbuch“ bekannt, das viele von uns im Regal stehen haben und uns auf vielen Reisen begleitet hat. Lest hier mehr über ihn und seine Gedanken zu den philippinischen Inseln.

Hallo Jens, erst einmal herzlichen Dank dafür, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit Philippinen Tours genommen hast. Es ist für uns eine große Ehre, dass Du uns hier Rede und Antwort stehst!

Wie entstand Deine große Liebe zu den Philippinen?

Während meiner ersten Asienreise 1975 besuchte ich zuerst Nord-Thailand, Laos, Hong Kong, Macau und Taiwan. Alle sehr eindrucksvoll und exotisch, jedoch fehlte mir dort ein Schuss Südsee, die mir seit der Verfilmung der „Meuterei auf der Bounty“ mit Marlon Brando nicht mehr aus dem Kopf ging. Nach Ankunft in Manila fuhr ich an einem späten Nachmittag bei herrlich warmer Tropenluft mit dem Taxi vom Airport den Roxas Boulevard entlang zum Hotel in Ermita. Beim Anblick der großartigen Kulisse der Manila Bay mit prächtigem Sonnenuntergang, Palmen und ankernden Schiffen war mir sofort klar, dass ich mich in diesem Land sehr wohlfühlen werde. Ich habe mich nicht geirrt, denn die Begeisterung hält bis heute an.

Manila Bay, sunset

Sonnenuntergang mit Blick auf die Manila Bay. Aufgenommen im April 2010

Welche Länder bereist Du außerdem noch besonders gerne?

Ich bin gerne in Thailand, mag Bangkok als asiatische Metropole ebenso wie Hong Kong. Auch die USA und Kanada sind für mich wunderschöne Reiseländer. Ganz oben auf meiner Wunschliste steht zur Zeit Chile, dieses endlos lange schlanke Land am Pazifik.

Dein Philippinen Reise-Handbuch ist immer noch das absolute Standardwerk, wenn es um Reiseführer rund um das Land der 7107 Inseln geht, und ist mittlerweile in der 20. Auflage erhältlich. Wie lange hast Du an diesem Werk für die erste Auflage gearbeitet?



Jens Peters: Philippinen Reise-Handbuch, 20. Auflage (Juli 2012)

An der ersten Auflage habe ich etwa zwei Jahre gearbeitet, davon die meiste Zeit vor Ort recherchiert. Es gab in den 70er Jahren ja keine Orientierungshilfen, keine Reiseführer über die Philippinen, keine Stadtkarten, kein Internet. Alles war praktisch Neuland und ich fing sozusagen bei Null an, da auch die Filipinos nur wenig über ihr Land wussten. Heute kann man seine Reisen bis ins Detail vorbereiten, mit Mietwagen oder Motorrad unabhängig von Fahrplänen die Inseln bereisen und fast jede philippinische Stadt für kleines Geld mit dem Flugzeug erreichen.

Etwas Geduld und Flexibilität mitbringen, nicht beharrlich auf die Uhr schauen, dann sollte eigentlich jede Philippinen-Reise gelingen. – Jens Peters

Hast Du auch Mitarbeiter in Deinem Team oder bereist Du alle Reiseziele persönlich?

Ich habe immer alles alleine gemacht, von der Recherche über Texte schreiben und Karten zeichnen bis zum Layouten des Buches. Seit ein paar Jahren schicke ich jedoch hin und wieder einen freien Mitarbeiter auf die Reise, um noch fehlende Informationen einzuholen.

Wie siehst Du die Entwicklung der Philippinen während der letzten Jahrzehnte? Was würdest Du in dem Land verändern, wenn Du könntest?

Sichtbar ist die positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes besonders im öffentlichen Personenverkehr durch den Einsatz neuer Busse und Taxis sowie die beträchtliche Ausweitung des Flug- und Fährverkehrs. Alte Klapperkisten und Seelenverkäufer gehören der Vergangenheit an. Außerdem wurden viele holprige Schlaglochpisten durch annehmbare Straßen ersetzt.

Philippinen-Flug mit Philippine Airlines

Am schnellsten kommt man auf den Philippinen mit dem Flieger von A nach B. Neben Philippine Airlines hat sich vor allem auch Cebu Pacific Air in den letzten Jahren beliebt gemacht

Es würde dem Land sicherlich sehr gut tun, dem Ökotourismus noch mehr Beachtung zu schenken und gedankenlose Umweltsünden so schnell wie möglich zu korrigieren. So könnte man z.B. auf Boracay die knatternden und stinkenden Tricycles konsequent gegen saubere Elektro-Trikes austauschen. Das wäre vorbildlich und schon mal ein guter Anfang.

Was sind Deine fünf beliebtesten Reiseziele auf den Philippinen? Welche Orte eignen sich Deiner Meinung nach besonders gut, um sich dort dauerhaft als Europäer niederzulassen?

Ich mag besonders den Norden von Palawan, Baler und die Aurora-Provinz, die Ilocos-Provinzen, die Inseln Bohol und Negros, sowie Cebu City als Städteziel.

El Nido, Palawan

El Nido im Norden von Palawan

Wenn man als vernünftige Entscheidungskriterien die technische und soziale Infrastruktur zugrunde legt, also Verkehrsanbindung, ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, Sicherheit usw., dann würde ich mich in oder in der Nähe von Orten wie Davao, Dumaguete, Cebu City oder San Fernando La Union niederlassen.

Uns erreichen mittlerweile fast täglich Anfragen zu Rundreisen auf den Philippinen. Die meisten Urlauber wollen dabei Palawan entdecken. Würdest Du diese Region ebenfalls als Einstieg empfehlen oder gibt es auch andere gute Varianten für Philippinen-Neulinge?

Palawan bietet inzwischen viele Annehmlichkeiten, so dass eine Reise dorthin kein gewagter Sprung ins kalte Wasser mehr ist. Abhängig von der Jahreszeit würde ich als Einstieg jedoch auch die Reisterrassen in Nord-Luzon sowie ein paar Inseln der Visayas, etwa Bohol, Cebu und Negros, in die engere Wahl nehmen.

Reisterrassen im Norden von Luzon

Die wunderschönen Reisterrassen in Nordluzon. Foto von Florian Pils

Du warst ja auch schon in Gegenden wie den Sulu See – Inseln unterwegs, von denen u.a. vom Auswärtigen Amt eher abgeraten wird, wenn es ums Reisen auf die Philippinen geht. Wie schätzt Du die Lage heute ein, und welche Regionen sind Deiner Meinung nach immer noch zu brisant für Abenteuer?

Hätte ich alle offiziellen Reisewarnungen befolgt, wären manche Orte heute noch ein weißer Fleck für mich. Allerdings bin ich im Laufe der Zeit etwas vorsichtiger geworden und würde die Sulu-Inseln und die Zamboanga-Halbinsel bis auf weiteres meiden.

Wie lange sollte ein Philippinen-Trip mindestens dauern, damit sich die lange Anreise etwa von Mitteleuropa aus lohnt, und wieviele Destinationen sollten dabei maximal bereist werden?

Jens Peters im Interview mit Philippinen Tours

© Jens Peters

Drei bis vier Wochen sind schon ein ausreichender Zeitraum, um sich ein wenig umzusehen. Flüge statt langer Überlandfahrten und Schiffspassagen sparen Zeit. Eine Woche Manila und Reisterrassen, eine Woche Palawan und zwei Wochen Visayas, z.B. Cebu und Bohol, sind dann durchaus machbar.

Was gefällt Dir in Deutschland besonders gut, was spricht für die Philippinen im direkten Vergleich?

In Deutschland gefallen mir die guten Einkaufsmöglichkeiten, da ist so gut wie immer alles vorrätig und das Verkaufspersonal fachlich kompetent.
Dicke Pluspunkte der Philippinen sind für mich Gelassenheit und Müßiggang, die fehlende Bevormundung durch selbsternannte Moralinstanzen und der nicht existierende Zwang, ständig politisch korrekt sein zu müssen.

Was ist Dein abschließender Tipp für unsere Leser?

Etwas Geduld und Flexibilität mitbringen, nicht beharrlich auf die Uhr schauen, dann sollte eigentlich jede Philippinen-Reise gelingen.

Vielen Dank noch einmal für das Interview!

Jens Peters stellt auf seiner Website www.travelphil.com sehr viele Informationen rund um die Philippinen zur Verfügung. Sein Philippinen Reise-Handbuch ist u.a. auf Amazon erhältlich*. Weitere Literatur-Tipps rund um das Land der 7107 Inseln findet ihr in unserer Bücherliste.

Noch ein Hinweis in eigener Sache zum Schluss: in Kürze erscheint der Philippinen Tours Reiseführer, den wir in mühevoller Kleinarbeit über Jahre hinweg erstellt haben. Er ist sicher eine gute Ergänzung zu detaillierten Werken wie dem von Jens. Wer sich noch nicht für unseren Newsletter angemeldet hat, sollte es hier nachholen, um nichts zu verpassen und neben vielen kostenlosen Reise-Tipps auch deutliche Vergünstigungen auf unsere Angebote zu erhalten.