Unter Strom: Stromversorgung auf den Philippinen

oder: von den passenden Adaptern und gefährlichen Spannungsspitzen

Sind die Batterien einmal leer, kommt der Philippinenbesucher ganz schnell in Verlegenheit. Das Handy, die Kamera, der Laptop, das Tablet – sie alle brauchen den elektrischen Saft. Und diesen gibt es auch, er kommt auf den Inseln ebenso wie bei uns aus einer Steckdose. Hat man diese dann in irgendeiner versteckten Ecke gefunden, kann jedoch Verwunderung aufkommen. Ein Steckdosen-Forscher hätte seine Freude an der Biodiversität der hiesigen Stecker und Steckdosen. Unsere europäischen Typen C und F sind eher selten zu finden, dafür aber sehr oft der Typ A. Er ist der häufigste der philippinische Stromquellen und – ohne Adapter – leider nicht in unsere deutschen Typen steckbar . Den Typ A findet man in einfacheren Unterkünften, einen Schutzkontakt hat er nicht, aber das macht nichts, da die Kabel mit dem gelb-grünen Schutzkontakt ohnehin in kaum einem philippinischen Haus verbaut wurden.

Philippinische Steckdosen Typ C - A

Philippinische Steckdosen Typ C – A

Etwas freundlicher schauen die Stecker des Typs B in die Welt. Ihr Stecklöcher schauen einen an, wie ein staunendes Gesicht. Was wird man wohl alles in mich reinstecken? Hoffentlich keine europäischen Stecker – denn die passen auch hier nicht.

Hat man aber Glück, dann stößt man auf eine Steckdose, in die Stecker-Typ C und A passen, das heißt auf eine europäisch-philippinischen Kreuzung. Die Dose wird immer mehr verbaut, auch ihr fehlt der Schutzkontakt, aber immerhin – sie liefert auch europäischen Steckern Strom.

Seltener trifft man auf Steckdosen des Typs G, den sogenannten Commonwealth-Stecker. Er wird beispielsweise für den Anschluss von Geräten mit Schutzkontakt verbaut: Klimaanlagen, Wasserkocher und Herdplatten haben ihn. Oft werden diese Geräte, die den Commonwealth Stecker haben, der Einfachheit halber aber auch mit Adapter angeschlossen und somit ihres Schutzkontaktes beraubt.

Philippinische Stecker Typ A und Typ G

Philippinische Stecker Typ A und Typ G

Wer sich einen Adapter aus Europa mitbringen will, kann das tun, Universaladapter gibt es zum Beispiel bei Amazon oder Conrad. Diese allerdings sind etwas sperrig, da sie nicht nur alle Stecker fassen sondern auch selbst in jede Steckdose der Welt passen müssen. Billiger und platzsparender kann man einen Adapter direkt auf den Philippinen erwerben, es gibt sie in jedem Hardware-Shop und oft auch am Kiosk. Hotels haben meist Adapter für Gäste zum Verleihen.

steckdosen-adapter

Netzspannung und Frequenz

Die Philippinen sind eines der wenigen Länder, die sich für eine Netzspannung von 220 Volt entschieden haben, während in allen europäischen Länder nur 230 Volt eingespeist werden. Auch die Netzfrequenz der philippinischen Stromversorgung ist höher (60 Hz statt 50 Hz in Europa).

Die Abweichung der Netzspannung sollte kaum Probleme bereiten, denn fast alle elektrischen Geräte haben eine gewisse Toleranz, meist wird das auf den Geräten auch so angegeben (z.B INPUT: 100-240V, 50/60 Hz). Die Abweichung der Frequenz kann allerdings zu Problemen führen, da sie in manchen Geräten die elektrische Uhr steuert (z.B. in Radioweckern). Geräte, welche die Energie über Transformatoren zuführen (Laptops, Handys etc.), sind generell toleranter als andere. Auf jeden Fall sollte man die Herstellerinformationen, die auf den Geräten angegeben sind, vor der Benutzung auf den Philippinen durchlesen.

Stromausfälle

Sogenannte „Brownouts“ sind auf den Philippinen recht häufig, was zweifellos weniger an Versorgungsengpässen, sondern meist an der abenteuerlichen Stromversorgung liegt: Das im oberirdischen Kabelsalat überhaupt noch ein Zurechtfinden möglich ist, kann als Beweis der philippinischen Improvisationsstärke gelten. Schutzkontakte sind selten und Sicherungen eher freiwillig.

Open Air Kabelsalate wie diese verursachen beinah wöchentlich Stromausfälle

Open Air Kabelsalate wie diese verursachen beinah wöchentlich Stromausfälle

Es dauert dann meist einige Stunden, bis der Strom wieder fließt. Für diese Zeit sind die Philippinos recht gut ausgerüstet. Automatische Notbeleuchtung ist weit verbreitet und nach ein paar Minuten springt in besseren Behausungen der Generator an und überbrückt den Stromausfall. Kehrt der Strom allerdings zurück, kann es für einen Moment eine Spannungsspitze geben, die empfindliche elektronische Geräte leicht beschädigen kann (Laptops, Handys, Fernseher etc.). Verhindern kann man dies, indem man schützenswerte elektrische Geräte über einen Spannungsregler betreibt oder indem man sie bei einem Stromausfall vom Stromnetz trennt. Letzteres ist bei Touristen sicherlich die sinnvollere Variante.

Spannungsregler auf den Philippinen

Stromerzeugung

strommastenliebeDie Philippinen stillen ihren Energiehunger vor allem mit Kohle (29%), Öl (23%) und Gas (14%). Besonders in den schnell wachsenden Regionen im Norden sowie im Süden rund um Cagayan de Oro und Davao City wächst der Energiebedarf. Aber auch geothermisch gewonnener Strom (10%) und Wasserkraft (18%) spielen inzwischen eine Rolle und mehrere Windparks wurden und werden errichtet (Werte von 2014).

Die größten Verbraucher sind neben der Industrie die Klimaanlagen. Hunderttausende diese Kältemaschinen brummen rund um die Uhr. Je kälter – desto besser. Einkaufszentren und Restaurants werden gerne auf unkomfortable 16 Grad herunter gekühlt. Was die Raumluft aber abkühlt, erhitzt um das doppelte Maß die Außenluft und die ist ja bekanntlich schon zu warm. Wer das Klima aktiv schützen will, kann zum Beispiel im Hotel ein Zimmer mit Fan, also Ventilator, buchen und auf die Aircon verzichten.

About Heiner Koch

Dr. Heiner Koch lebt derzeit auf Panay und arbeitet u.a. als Dozent in Ilo-Ilo City. Er schreibt nicht nur auf Philippinen Tours sondern berichtet auch auf iloreport über seine Abenteuer. Viele Fotos steuerte Marta G. Revuelta bei.

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Lesen Sie hier mehr über die Mission von Philippinen Tours. Informationen zu unseren Touren gibt es auf dieser Seite. Günstige Hotelangebote gibt es bei www.agoda.com* und www.booking.com*. Weitere Literatur gibt es in dieser Übersicht.


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2 Responses to Unter Strom: Stromversorgung auf den Philippinen

  1. Stefan Geißler 06/12/2015 at 1:34 pm #

    im Artikel oben steht „Sogenannte „Brownouts“ sind auf den Philippinen recht häufig, ….“.
    Ich vermute es sollte „Burnouts“ heißen!

  2. John 06/12/2015 at 8:54 pm #

    Hi Stefan,

    „Brownouts“ ist in diesem Fall schon richtig – weitere Infos zu diesem Thema gibt es z.B. hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Brownout_(electricity) 😀

    lg

    John

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