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Da ich mich nicht nur für Landschaft und Leute der Philippinen sehr interessiere, sondern auch ganz besonders für die Kultur im Land der 7107 Inseln, möchte ich auf diesem Blog ab heute hin und wieder ein paar Kostproben der philippinischen Folklore geben. Denn schöne Märchen, bezaubernde Fabeln und wohlklingende Volkslieder machen die Philippinen genauso aus wie weiße Strände, exotische Früchte und atemberaubende Urwälder. „The Two Jars“ bzw. „Die zwei Krüge“ ist der Titel der ersten märchenhaften Geschichte, die ich hier erzählen möchte, und hoffe, dass sie bei unseren Lesern Anklang finden wird:

The Two Jars / Die zwei Krüge

Andong und seine Ehefrau Damao lebten in der Nähe eines Flusses. Andong war ein fauler Mann und hasste Arbeit. Damao schimpfte ihn wegen seiner Faulheit und weil er den ganzen Tag darauf wartete, bis die Nachbarn kamen und dem Ehepaar etwas zu essen gaben. Für das Abendessen solle Andong gefälligst an den Fluss gehen und Fische fangen und nicht die Freigiebigkeit der Nachbarn ausnutzen. Andong antwortete, er frage die Nachbarn nicht nach Essen, sie kämen immer aus freien Stücken.

Damao schimpfte weiter, Andong reagierte zunächst weiter mit Gleichmut. Als das ewige Geschimpfe der Frau ihm dann aber allmählich zu viel geworden war, fasste er den Entschluss, an den nahe gelegenen Fluss zu gehen, um Fische für das Abendessen zu fangen. Weil es schon spät und dunkel war, nahm Andong eine Lampe mit; einen Korb hatte er auch dabei, um die gefangenen Fische dort hinein legen zu können.

Auf dem Weg zum Fluss kam Andong an zwei Mango-Bäumen vorbei, unter beiden stand jeweils ein großer Krug. Andong ging zum ersten Krug, sah hinein und erkannte, dass er gefüllt war mit unzählig vielen Goldmünzen. Andong ging zum zweiten Krug, sah hinein und erkannte, dass auch dieser gefüllt war mit unzählig vielen Goldmünzen. Andong sagte sich: „Ich kam hierher, um zu fischen, und ich muss nun ein paar Fische fangen, ansonsten wird meine Ehefrau beim Abendbrot nichts zu essen haben!“

Andong ließ die beiden Krüge stehen, ging zum Fluss und fischte munter drauf los. Er fing viele Fische und schon bald lagen genug Fische in seinem Korb. Nachdem Andong seine Arbeit getan hatte, trat er die Rückreise an. Zu Hause angekommen erzählte er seiner Frau von den zwei Krügen, die er auf dem Weg zum Fluss entdeckt hatte. Damao fragte, warum er denn keine Goldmünzen mitgenommen habe. Wenn sie beide das ganze Geld besäßen, müsste Andong nie wieder zum Fluss gehen, um Fische zu fangen.

Die zwei nächsten Nachbarn Annong und Apiong lauschten dem Gespräch von Andong und Damao und planten, sich zu den beiden Krügen zu begeben und des wertvollen Inhalts habhaft zu werden. Bestückt mit Seilen und stabilem Bambus gingen sie zu dem besagten Ort. Als Annong und Apiong die zwei Krüge sahen, begab sich Annong zum einen und Apiong zum anderen Krug. Beide steckten jeweils eine Hand hinein. Mit Goldmünzen waren die Krüge aber nicht mehr gefüllt, sondern mit Karabao-Dung.

Annong und Apiong rannten schnell zum Fluss und wuschen sich die schmutzigen Hände. Beide waren wütend und wollten sich an Andong rächen, da sie einen Streich vermuteten. Sie befestigten die beiden Krüge mit Seilen an der Bambusstange und transportierten sie zu Andongs Haus. Andong und Damao schliefen tief und fest.

Annong begab sich schnell zu seinem eigenen Haus und holte eine Buri-Matte. Diese trug er in Andongs Haus und legte sie im Waschraum der Küche aus. Dann leerten er und Apiong den gesamten Inhalt der beiden Krüge auf der Buri-Matte aus und schlichen sich nach Hause.

Bald schon wachte Andong auf und ging in den Waschraum der Küche. Zu seiner großen Überraschung erblickte er einen riesigen Haufen funkelnder Goldstücke; er wusste nicht, dass sie dieselben waren, die er in der Nähe des Flusses in den beiden Krügen erblickt hatte. Der Karabao Dung auf der Matte hatte sich wieder in Gold zurückverwandelt.

Andong weckte seine Frau Damao auf und erzählte ihr von ihrem gemeinsamen Glück. Sie investierten die Goldstücke in ein neues Business und wurden sehr reich.

Später erzählte Andong seiner Frau:

„No kapalaran moy maong,
Anggan ibantak dakad sokong,
Naakar moy pegley na abong.“

Wenn es dein Schicksal ist, hoch hinaus zu kommen,
mögen andere dich daran zu hindern suchen,
dennoch wirst du immer deine Bestimmung erreichen!