Reisterrassen von Banaue: Ein Geschenk an die Menschheit

Sie sind ein herausragendes Beispiel für eine entwickelte und lebendige Kulturlandschaft, deren Spur auf mehr als 2.000 Jahre zurück reicht – die Rede ist von den Reisterrassen von Banaue. Wie kaum eine andere Reisterrasse auf der Welt verkörpern sie einen Übergang einer soziokulturellen, wirtschaftlichen, religiösen und politischen Umwelt und beeindrucken gleichzeitig mit ihrer unvergleichlichen Schönheit.

Die Reisterrassen von Banaue

Die philippinischen Reisterrassen gehören zum Unesco Weltkulturerbe und sind für viele Urlauber ein guter Grund, um auf die Philippinen zu reisen.

Gleich drei Kriterien erfüllen die in den Philippinischen Kordilleren gelegenen Reisterrassen, um in der Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen zu werden. Sie sind „ein Geschenk von unschätzbarem Wert der philippinischen Urahnen an die Menschheit“, heißt es dort in der Begründung. Von Generation zu Generation weitergegeben, zeigen sie das Bild einer alten Zivilisation, die zahllosen Herausforderungen und Rückschlägen der Moderne standhalten konnte. Mit dem vor 2.000 Jahren entwickelten und bis heute weitergegebenen Bewirtschaftungssystem repräsentieren sie außerdem eine beispielhafte Tradition, die eine bemerkenswert lange Zeit überdauerte.

  1. Reisterrassen von Banaue – 2000 Jahre alte Kulturlandschaft
  2. Anreise zu den Reisterrassen von Banaue
  3. Aufnahme in die Liste der UNESCO-Welterben
  4. Ausgeklügeltes und raffiniertes Bewirtschaftungssystem
  5. Gefahren drohen den Reisterrassen von allen Seiten
  6. Dringender Bedarf an Schutz

1. Reisterrassen von Banaue – 2000 Jahre alte Kulturlandschaft

Die Reisterrassen in und um Banaue befinden sich in einem kleinen Gebirgsort in den Zentral-Kordilleren im nördlichen Luzon. Sie sind ein Produkt der einheimischen Ifugao. Der Name diese Bevölkerungsgruppe bedeutet so viel wie „Menschen der Erde“. Vor gut 2.000 Jahren begannen Bauern aus kleinen Dorfgemeinschaften den Bau der Reisterrassen.

Die Arbeit war äußerst mühevoll, da sie nur mit primitivsten Mitteln vonstatten ging. Aus weicher Erde formten die Bauern die verschiedenen Lehmmauern, aus denen kleine Teiche errichtet wurden. Bis zu dreißig Zentimeter sind die Lehmmauern dick und bis zu sieben Meter hoch. Kunstvoll zieren sie in zur Bergkontur angepassten Formen kilometerweit die teilweise sehr steilen Berghänge.

Die Arbeit auf den Reisterrassen ist durchaus mühevoll

Die Arbeit auf den Reisterrassen ist durchaus mühevoll

Manche Teile reichen vom Fuß des Berges bis hoch hinaus zur Spitze. Zusammen ergeben die Lehmmauern eine Gesamtfläche von 20.000 Hektar und aneinander gereiht eine Länge von stolzen 25.000 Kilometern. Um sich diese Zahl besser veranschaulichen zu können, hier ein kleiner Vergleich: Die Chinesische Mauer misst eine Länge von „nur“ knapp 8.850 Kilometern; Australiens Great Barrier Reef erstreckt sich auf einer noch kürzeren Länge von etwa 2.000 Kilometern die Küste entlang.

2. Anreise zu den Reisterrassen von Banaue

Die Reisterrassen befinden sich etwas 330 Kilometer nördlich von Manila. Von dort kann man mit dem Bus in einer achtstündigen Fahrt direkt nach Banaue fahren. Viele Experten empfehlen im Anschluss daran die Weiterfahrt nach Batad, Bangaan, Mayoyad, Kiangan oder Hungduan. Die Entfernung der Orte schwankt zwischen 12 und 25 Kilometern. Die Terrassen sind hier teilweise noch schöner und besser erhalten als die in Banaue. Beim Wandern über die Terrassen bietet es sich an, einen Reiseführer in Anspruch nehmen. Die Wege verlaufen zum Teil labyrinthisch und liegen mal höher, mal tiefer. Manche Ecken sind sehr eng.

3. Aufnahme in die Liste der UNESCO-Welterben

Gleich drei Kriterien erfüllen die Reisterrassen von Banaue, um sich einen Platz in der Welterbe-Liste der UNESCO zu sichern. Dort heißt es, die Terrassen seien ein „dramatisches Zeugnis für ein nachhaltiges und gemeindliches System der Reisproduktion“. Sie erinnern an die Tausende von Jahren alte Geschichte und Arbeit von Kleinbauern und sind ein herausragendes Beispiel für eine Landnutzung, die vom harmonischen Zusammenwirken zwischen Mensch und Natur gekennzeichnet ist.

Nicht zuletzt wurden die Reisterrassen wegen ihrer einzigartigen Schönheit, die heute wegen sozialen und wirtschaftlichen Änderungen gefährdet ist, im Jahre 1995 in die Liste aufgenommen. Zum Erbe zählen auch die angrenzenden Orte Batad, Bangaan, Mayoyad, Hapao und Kiangan. 16 Jahre später wurden „die Treppen zum Himmel“, wie sie poetisch genannt werden, erstmals von der UNESCO in der Roten Liste der gefährdeten Kulturstätten aufgezählt. 30 Prozent der Terrassen werden nicht mehr bewirtschaftet. Die Folgen sind Risse, die sich in den Terrassen bilden. Der Verfall droht immer mehr.

4. Ausgeklügeltes & raffiniertes Bewirtschaftungssystem

Das System, mit dem die Reisterrassen von Banaue bewirtschaftet werden, ist ein technisches Meisterwerk. Bergquellen werden zur Bewässerung benutzt. Hierfür wird das Wasser über Rinnen, Gräben und Bambusrohre zunächst in die oberen Felder geleitet. Durch Öffnungen wird es dann an die tiefer gelegenen Terrassen weitergeleitet – ein ausgeklügeltes und raffiniertes Bewässerungssystem.

Angebaut wird normalerweise eine heimische Reissorte. Der Reis wird einmal im Jahr im Zeitraum von Juni bis August geerntet. Zum Jahresanfang werden die Teiche ausgebessert, gepflügt und gewässert. Ab Februar werden dann Reisschösslinge gesetzt. Das saftige Grün, das oft auf Fotos der Reisterrassen von Banaue zu sehen ist, rührt von den Reispflanzen in den Monaten April bzw. Mai.

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Für die Feldarbeit können keine Maschinen oder Wasserbüffel als Hilfsmittel eingesetzt werden; alles geht von Handarbeit her. Angesichts der harten Arbeit fällt die Ernte meist kärglich aus. Einige Terrassen werden nicht nur zum Anbau von Reis, sondern auch von Gemüse genutzt. Sogar die Fischzucht konnte sich auf einigen Terrassen durchsetzen. Unter anderem werden Tilapia, Krabben und Karpfen für den Verkauf gezüchtet.

5. Gefahren drohen den Reisterrassen von allen Seiten

Seit mehr als 2.000 Jahren halten die Ifugao System und Authentizität intakt, ohne der Natur zu schaden. Klimatische, geographische, ökologische, religiöse, soziale, wirtschaftliche und politische Faktoren stehen alle im Einklang zueinander. Wird dieses Gleichgewicht gestört, kann es zum Zusammenbruch kommen.

Bis heute werden die Reisterrassen von der Gemeinde auf ihre traditionelle Art zum Reisanbau noch genutzt und erhalten, doch Gefahren drohen von allen Seiten. Ein großes Problem ist die Abwanderung der Arbeiter, die die Einstellung der Feldarbeit zur Folge hat. Der Reis ist im Hinblick auf Preis und Menge nicht mehr konkurrenzfähig. Nur eine Ernte pro Jahr steht zur Verfügung; hinzu kommt, dass sie sehr klein ausfällt. Dies steht in keinem Verhältnis zur Arbeit, die sehr mühsam und zeitaufwändig ist.

Die jüngere Generation versucht also eine bessere Arbeit im Tourismusgewerbe zu finden, als Servicekraft, Händler oder Reiseführer. Die Felder hingegen bleiben unbestellt. Betroffen sind rund 30 Prozent. Die Folge: Risse bilden sich in den Reisterrassen und der Verfall naht. Übeltäter wie Schnecken, Ratten und Riesenendwürmer tragen ihren Teil zur Rissbildung bei.

Besonders der Riesenendwurm, der bis zu 45 Zentimeter lang und fingerdick wird, bohrt die Lehmterrassenwände an. Wasser sickert durch und die Terrassen trocknen aus. Zum Problem der Abwanderung kommen weitere Bedrohungen durch die Umwelt hinzu. Das Wasser wird knapper, was viele Ursachen hat. Zum einen verweist man auf das Erdbeben im Jahre 1990. Mehrere Quellen, die als Wasserzufluss dienten, wurden dabei verschüttet. Zum anderen spielen Abholzungsmaßnahmen eine weitere Rolle. Der Holzverbrauch steigt seit Jahren stetig, Wälder werden zu Agrarflächen umgewandelt. Um die sensiblen Reisterrassen von Banaue noch in Zukunft zu erhalten, bedarf es an kontinuierlichen Naturschutz.

6. Dringender Bedarf an Schutz

Lange trug das traditionelle „Management“ der Ifugaos zum Schutz der Reisterrassen bei. Einzelne Terrassen sind im privaten Besitz und werden deswegen mit Hilfe von alten Rechten, Stammesgesetzen und traditionellen Praktiken geschützt. Diese Aufrechterhaltung basiert auf detailliertem Wissen über die reiche Vielfalt an natürlichen Ressourcen, die wiederum von religiösen Ritualen der Ifugaos begleitet werden.

Im Februar 1994 wurde die Ifugao Terraces Commission gegründet. Ein 6-Jahres-Plan wurde umgesetzt und später auf einen zehnjährigen Zeitraum ausgedehnt. Er deckt Management, Naturschutz und andere sozioökonomische Aspekte ab. Weitere Programme wurden zusammengestellt, nachdem die Reisterrassen von Banaue in die Rote Liste der gefährdeten Kulturstätten aufgenommen wurde. Sie stellen eine Instandsetzung der Landschaft sicher. Alle Maßnahmen werden ausführlich dokumentiert.

Das "achte Weltwunder" so wie die "rice terraces" auch genannt werden, ist in Gefahr!

Das „achte Weltwunder“ so wie die „rice terraces“ auch genannt werden, ist in Gefahr!

Im Jahre 2002 stellte die UNO rund 75.000 Dollar für die Erhaltung zur Verfügung, von der philippinischen Regierung kamen 50 Millionen Pesos hinzu. Dennoch sind weitere Sponsorengelder nötig. Einige Experten fordern eine stärkere Regulierung der Zahl von Touristen. Ein sanfter Tourismus soll gefördert und ausgebaut werden, um die junge Generation in der Nähe der Gebiete zu halten. Ob diese Maßnahmen helfen ist fraglich. Noch gibt es keine Invasion an Besuchern, doch in den kleinen Orten ist eine Obergrenze schnell erreicht.

Die Not der Reisterrassen ist immer noch groß. Problemlösungen werden ständig neu erarbeitet, es bedarf an weiteren Geldern, damit die Jahrtausende alten Reisterrassen von Banaue, ein einzigartiges und wunderschönes Kulturerbe, auf das die Philippinen sehr stolz sein können, noch weitere Jahrzehnte erhalten bleiben. Reisterrassen gibt es übrigens nicht nur in Banaue sondern auch in Bontoc und in anderen Teilen des Landes wie z.B. in Anda auf Bohol.

Quellen:

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Fotos: Florian Pils.

About Christina

Christina ist als freie Journalistin und Texterin tätig. Nach ihrem Studium der Germanistik und Anglistik konnte sie u. a. Australien ausgiebig bereisen und darüber schreiben. Auch in Osteuropa ist sie immer wieder gerne unterwegs.

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