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Etwas ganz Besonderes wollten wir erleben, als wir im Oktober 2011 beschlossen, den Mount Malindang zu erklimmen. Mount Malindang? Allzu viele Europäer dürften den 2.404 Meter hohen Berg im Norden Mindanaos nicht kennen, und auch zahlreiche Menschen philippinischer Abstammung dürften bei der Nennung dieses mystisch klingenden Namens nur fragend den Kopf schütteln. Dabei gehört der Mount Malindang, oder genauer gesagt: der Mount Malindang Range Natural Park, zu den schönsten Gebieten, die es auf den Philippinen gibt. Für Niko und mich zumindest.

Mount Malindang Range Natural Park

Gebietsübergreifend liegt der Mount Malindang Range Natural Park in den drei Provinzen Misamis Occidental, Zamboanga del Sur und Zamboanga del Norte. Er umfasst ein Gebiet von über 53.000 Hektar und besticht durch eine abwechlungsreiche Flora und Fauna. Nicht nur können beim Erklimmen des Mount Malindang beeindruckende Felswände und unberührte Urwälder entdeckt werden, sondern auch Wasserfälle, Kraterseen, Canyons und heiße Quellen. Es wird stark vermutet, dass der gesamte Gebirgskomplex rund um den Mount Malindang durch Vulkanausbrüche in der vorgeschichtlichen Zeit entstanden ist.

Ausflugsziel Lake Duminagat

Unser Reiseziel: der Lake Duminagat im Mount Malindang Range Natural ParkDa Gebirgswiesel Niko und ich für unseren Erkundungstrip leider nur zwei Tage Zeit hatten, mussten wir uns aus den vielen Ausflugszielen, die der Mount Malindang Range Natural Park bietet, ein bestimmtes herauspicken. Unsere Entscheidung fiel auf den Lake Duminagat, der sich auf einer Höhe von 1.600 – 1.700 Metern über dem Meeresspiegel befindet. Um überhaupt dorthin gelangen zu können, waren wir geradezu verpflichtet, einen Bergführer zu engagieren, da wir ansonsten nicht weit gekommen wären. Die scheue Bergbevölkerung gewährt nämlich nicht jedem Besucher Einlass in die atemberaubende Bergwelt des Mount Malindang.

Voller Tatendrang und Vorfreude fuhren wir am Dienstag, den 25.10.2011, frühmorgens mit dem Jeep meiner Tante Ellen nach Oroquieta City, um uns mit unseren beiden Guides Mar und Chris zu treffen. Nach einer netten Begrüßung ging es dann weiter nach Barcelona (Zamboanga del Norte), wo wir die Möglichkeit wahrnahmen, ausreichend Proviant für den bevorstehenden Ausflug zu erwerben und uns angemessene Bergklamotten überzustreifen.

Mit dem Habal Habal von Barcelona nach Mansawan

In Barcelona verabschiedeten wir uns von meiner Tante und stiegen auf Habal Habals um. Mit dem Jeep wären wir nicht mehr allzu weit gekommen, da die Strecke zwischen Barcelona und Mansawan sehr steinig ist und vor allem mit tiefen Schlaglöchern aufwartet. Teilweise ist die „Straße“ nach Mansawan so steil, dass man vom Habal Habal steigen muss, um voran zu kommen.

Erreicht haben wir Mansawan um etwa 10:00 Uhr, morning time. Mansawan ist recht klein, aber dennoch befinden sich dort wenigstens ein Public Market, ein Basketballplatz, mehrere Tante-Emma-Läden und ein paar Kaschemmen zum Billardspielen, Kartenzocken und – natürlich – Tanduay-Trinken.

Nachdem wir uns in das „Stadtbuch“ eingetragen hatten, ging es dann mit dem tatsächlichen Erklimmen des Mount Malindang los.

Der Anstieg

Das erste Teilstück unseres AbenteuertripsDas erste Teilstück besteht aus einem Feldweg. Der ist glücklicherweise nicht allzu steil, so dass wir uns an die drückende Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit etwas gewöhnen können. Auf unserem Weg begegnen wir immer wieder misstrauisch wirkenden Bergbewohnern, die Werkzeuge, Lebensmittel und Wasserkanister zu ihren Berghütten transportieren.

Nach einer dreiviertel Stunde Wanderzeit wird der Anstieg schwieriger, was vor allem an einigen klitschigen Stellen liegt, die das Bergsteigen zu einer gefährlichen Rutschpartie machen. Wir verdrängen den Gedanken, abrutschen und uns dabei möglicherweise das Genick brechen zu können, mit den vielen tollen Eindrücken, die uns die wunderschöne Pflanzenwelt liefert.

Gegen Mittag erreichen wir ein in Grün gebettetes Bergdorf: der ideale Ort für eine Verschnauf- und Stärkungspause. Niko, Mar, Chris und ich packen unser Essen aus. Während wir uns schmatzend den Bauch vollschlagen, erzählen die beiden Guides interessante Legenden über den sagenumwobenen Mount Malindang, dessen höchster Gipfel angeblich noch nie erreicht worden sei.

Bevor wir wieder weiterklettern, füllen wir noch unsere Flaschen mit erfrischendem Bergwasser, dessen Geschmack nicht zu vergleichen ist mit dem Wasser, das wir normalerweise trinken.

Der letzte Anstieg zum Lake Duminagat

Der Anstieg nach unserer Pause ist nun recht anspruchsvoll. Der Weg ist steiler und steiniger, und deswegen auch noch klitschiger: wir müssen höllisch aufpassen, nicht wegzurutschen. Unsere Guides haben mit den schwierigen Umständen eher keine Probleme. Den Anstieg bewältigen sie nahezu mühelos. Mit Flip-Flops…

Schwitzend klettern wir noch weitere zwei Stunden. Als der Anstieg etwas flacher wird, registrieren wir, dass wir bald da sein müssen. Und in der Tat:

Nach wenigen Höhenmetern mehr sind wir berauscht von einem unfassbaren Anblick: der Lake Duminagat! Ein See in über 1.600 Metern Höhe, eingebettet in eine grüne Dschungelwelt, deren Geräuschkulisse ebenso unheimlich wie spannend ist. Niko meint, er vestehe nun, warum sich um den Bergsee geheimnisvolle Sagen und mystische Geschichten ranken.

Trotz der Unheimlichkeit des für die Bergbewohner heiligen Ortes ziehen wir uns die Badehosen an, setzen uns in das sich am Ufer befindliche Holzboot und rudern auf den See hinaus. Wir springen ins Wasser, es ist kalt und erfrischend. Erst nachdem wir wieder aufs Land zusteuern, bemerken wir, dass einige Bergbewohner uns beim Baden beobachtet haben.

Nach unserer Bootstour auf dem Lake Duminagat genießen wir die letzten Strahlen der untergehenden Abendsonne und spielen mit herumstreunenden Tieren. Mit den Bergbewohnern können wir uns leider nur mit Händen und Füßen verständigen, da diese kein Wort Englisch beherrschen.

Während wir faul in der Sonne liegen, kümmern sich unsere beiden Guides Mar und Chris um eine Unterkunft und unser Abendessen. Sie treten dabei mit einem älteren Dorfbewohner in Verhandlung, kaufen ihm letztlich einen Hahn ab und bekommen die Zusage, eine seiner Bambushütten für die Nacht als Schlafplatz nutzen zu können.

Das Abendessen bereiten wir mit Hilfe eines Campingkochers zu. Als wir beginnen, die Suppe mit Hahn zu verschlingen, ist es bereits stockfinster. Mit unserer kleinen Lampe gelingt es uns nicht, für genügend Licht zu sorgen. Das ist aber nicht weiter tragisch, da der freilaufende Berggockel einfach nur „delicious“ ist.

Bevor ich mich in die Horizontale begebe, gehe ich noch einmal nach draußen, um den wunderschönen Sternenhimmel zu bewundern. Einen schöneren und klareren Sternenhimmel habe ich nie gesehen und werde ich wohl auch nicht mehr so schnell zu Gesicht bekommen…

Die Nacht auf 1.600 Meter Höhe

Die Nacht in der Holzhütte am Lake Duminagat ist vor allem eines: kalt. Der harte Boden und die zirpenden Insekten haben uns, im Nachhinein betrachtet, eigentlich nicht gestört. Was die Nacht zu einem echten Abenteuer gemacht hat, war die klirrende Kälte, die wir bis zum nächsten Morgen in unseren Gliedern und Knochen spürten. Warme Anziehsachen wie dicke Pullover hätten wir also besser mitbringen sollen…

Der Abstieg

Nachdem wir nach der harten Nacht unsere Sachen gepackt haben, verlassen wir den Lake Duminagat wieder und treten die Heimreise an. Die Sonne strahlt und sorgt bei uns für viel Schweiß beim Abstieg.

Bei unserem Abstieg kommen wir wieder an schönen Bergdörfern, grünen Dschungellandschaften und farbenfrohen Pflanzen vorbei. Auch einigen Bergbewohnern begegnen wir wieder, die uns, anders als am Vortag, ein Lächeln schenken, so, als ob sie uns schon Jahre lang kennen würden. Um ca. 13:00 Uhr, nach drei Stunden des Abstiegs, erreichen wir unseren Ausgangspunkt Mansawan wieder und begeben uns mit dem Habal Habal zurück nach Barcelona, um von da aus mit dem Bus weiterzureisen.

Schluss

Immer wenn ich zurückdenke an die Zeit, in der ich mit Niko, Mar und Chris den Lake Duminagat im Mount Malindang Range Natural Park besucht habe, bin ich sehr froh, dieses schöne Abenteuer gewagt zu haben. Der Anstieg zum Lake Duminagat ist sicher nicht ganz ungefährlich, für unerfahrenere Bergsteiger ist er mit etwas Vorsicht, dem richtigen Schuhwerk und dem richtigen Guide allerdings trotzdem zu meistern.