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Schon über den Wolken erkennt man die Einzigartigkeit der Philippinen. Viele kleine Inseln zieren das türkisgefärbte Meer. Man könnte meinen, dass dies das Paradies auf Erden sei. Als ich jedoch endlich mit meinen drei Mitfreiwilligen das Land betrat, wurde ich zunächst einmal erschlagen von stickig, heißer Luft. Heilfroh über die Klimaanlagen, fuhren wir mit einem Jeepney zu unserer ersten Station des freiwilligen Diensts. Es ging in ein Hotel in Cebu City, welches uns für die nächsten drei Tage Unterkunft gab.

Über den philippinischen Wolken...

Über den philippinischen Wolken…

In einer Vorbereitungswoche führte uns unsere Mentorin in die philippinische Kultur ein, welche uns die nächsten acht Monate begegnen wird. Zusammen mit meiner Teampartnerin, werden wir als Freiwillige mit der philippinischen NGO „Justice, Peace, Integraty of Creation“ zusammenarbeiten. Diese hat sich zum Ziel gemacht, den bedürftigen Menschen bessere Bedingungen zu ermöglichen und dabei besonderen Wert auf Nachhaltigkeit eines Projektes zu legen.

Unterwegs in den Straßen von Cebu City fällt einem sofort die große Kluft zwischen Arm und Reich ins Auge. Auf der einen Seite sieht man die alten, meist beschädigten Häuser mit Wellblechdächern. Vor diesen haben sich Menschen einen einfachen Stand aufgebaut an dem sie Essen verkaufen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auf der anderen Seite gibt es große Wolkenkratzer, welche über den Häusern herausragen. Als ich eine Shopping-Mall betrat, fühlte ich mich in die Welt eines westlichen Landes zurückversetzt.

skyscraper-cebu-cityDie Philippinen bestehen aus so vielen extremen Gegensätzen. Es scheint manchmal so, als wären sie ein komplettes Gegenbild von Deutschland. Dies ist auch in ihren Schönheitsidealen, welche vollkommen verdreht sind, zu erkennen. Ein Deutscher legt sich im Sommer gerne unter die Sonne, um ein bisschen Farbe zu bekommen. Manch andere besuchen sogar ein Solarium, um diesen Prozess zu beschleunigen. Viele Filipinos dagegen meiden die Sonneneinstrahlung und laufen stattdessen mit Schirmen herum. Es gibt kaum ein Produkt in dem nicht das berühmte „Whitening“ zu finden ist, welches die Haut aufhellt. Weiße Haut und lange Nasen beschreiben das philippinische Schönheitsideal.

Aus diesen Gründen fallen Ausländer besonders auf. Niemals bleibt man den vielen neugierigen Blicken erspart und mehrmals am Tag bekommt man das Wort „Gwapa“ (schön) zu hören. Betritt man einen Laden, so zieht man die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Kichernde Mädchen können es kaum fassen einen Weißen zu sehen, und Viele starren einen mit offenem Mund an. Außerdem wird man des Öfteren mit der berühmten „Picture Picture- time“ konfrontiert. So steht man immer im Mittelpunkt und fühlt sich wie ein Star oder sogar wie der Papst selbst, der lächelnd den Menschen zu winkt.

In den Straßen von Cebu City

„Sikad-Sikad Driver“ in den Straßen von Cebu City

Durch die Besuche der verschiedenen Projekte von JPIC, habe ich nicht nur einen besseren Eindruck in die Arbeit einer NGO bekommen, sondern mir wurden auch die Probleme der Philippinen vor Augen gehalten. Es ist nicht zu übersehen, dass viele kinderreiche Familien die Inseln auszeichnen. Schon im sehr frühen Alter gebären Frauen ihr erstes Baby, woraufhin noch mehrere folgen sollen. Die aus diesen Gründen zunehmende Bevölkerungsrate führt dazu, dass viele Menschen ein von Armut beeinflusstes Leben führen. Aus großer Not, ziehen sie in eine Dumpside. Dort kann man für wenig Geld oder sogar umsonst ein Haus bzw. ein Grundstück erwerben, welche meist neben den Müllbergen konstruiert werden.

Die Armut findet sich auch in den Straßen in Cebu wieder. Man begegnet vielen Menschen, die diese zu ihrem Zuhause gemacht haben. Leicht bekleidet und mit ausgestrecktem Arm, kommen die Kinder sowie ältere Menschen auf einen zu um nach Geld zu fragen. Da vor allem weiterführende Schulen auf den Philippinen oft mit hohen Kosten verbunden sind, haben Viele keine Möglichkeit diese zu besuchen. Um ihnen ihr Recht auf Bildung dennoch zu gewährleisten, gründete JPIC eine sogenannte „mobile school“. Ein Bus, der täglich in den Straßen von Cebu City herumfährt, um den Kinder die notwendigen Basiskenntnisse zu lehren.

mobile school library Cebu

Mobile Schülerbücherei in Cebu City

Der Besuch in einer Dumpside hat wohl für immer einen tiefsitzenden Eindruck in mein Gedächtnis hinterlassen. Die um die großen Müllberge herum gebauten zweckerfüllenden Häuser bieten den Menschen kaum Schutz und Sicherheit. Trotz ihrer materiellen Armut, präsentierten uns die Bewohner voller Stolz ihren Besitz und hießen uns mit strahlenden Lächeln willkommen. Als ich über einen der Müllberge ging, kam ein kleines Mädchen auf mich zu und grinste. Es trug zerfetzte Kleidung, keine Schuhe, dafür aber ein Englischbuch, dass es möglicherweise aus den Bergen von Plastik, Papier und anderem Schrott gefischt hat.

Als das Mädchen das Buch aufschlug, um ein Lied daraus vorzusingen, bekam ich Gänsehaut. Die Freude des Kindes berührte mich zutiefst. Obwohl der Ort zu den ärmsten der Stadt gehört, war dieser mit so viel Leben erfüllt. Man sah Menschen, die Karaoke sangen, andere die sich einen etwas leeren Platz geschnappt hatten um ihre Salsa-Fähigkeiten zu erweitern. Auf einem provisorisch selbsterrichteten Basketballplatz, fand ein Turnier statt. Die Kinder spielten mit ihren Schätzen, die sie auf den Müllbergen gefunden hatten.

Doch neben dieser Freude und Fröhlichkeit gibt es auch Verzweiflung und Angst. Die Menschen sind ständigen Gefahren ausgesetzt. Schon beim kleinsten Gewitter könnte ihr Haus im Bach untergehen. Bei Überflutungen scheint es nicht mehr möglich zu sein, von A nach B zu kommen. Die Wege sind zu gefährlich. Bei dem Namen „Scavenger“ handelt es sich um Menschen, die auf dem Müll Gegenstände wie Plastik sammeln und diese bei sogenannten Junkshops verkaufen. Somit verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt. Wie gefährlich diese Arbeit tatsächlich ist, zeigt eine Geschichte eines kleinen Jungen, die mich sehr erschüttert hat.

Um etwas zum Familieneinkommen beizutragen, arbeitete er als Scavenger. Eines Tages jedoch, als er sich gerade wieder auf den Bergen befand, kam ein Lastwagen, um seine Last auszuleeren. Dieser konnte den Jungen nicht erkennen und überfuhr ihn. Daraufhin fand seine Familie nur noch den zerquetschten Körper ihres Kindes. Fälle wie dieser sind keine Einzelheiten. Der Satz meiner Mentorin „Gefahr gibt es nicht im Vokabular der Kinder“, schwirrte in meinem Kopf. Denn eine noch größere Gefahr als diese, die zu ihrem alltäglichen Leben zählt, scheint es nicht zu geben. Doch die Menschen haben einen Weg gefunden, der sie hoffen lässt. Der Glaube an Gott zaubert ihnen wieder ein Lächeln ins Gesicht. Ohne diesen würden sie wohl den Sinn ihres Lebens verlieren.

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Der Verkehr auf den Philippinen ist ein einziges Spektakel. Verkehrsregeln gibt es kaum. Es wird links und rechts überholt und jeder fährt nach dem Motto „möglichst schnell und heil sein Ziel zu erreichen. Musikalisch wird er mit den Tönen der hupenden Autos begleitet. Die Straßen scheinen nie leer zu sein. Es gibt viele bunte Jeepneys, die alle mit ihrem ganz eigenen Stil die Straßen zieren. Es sind alte amerikanische Militär- Busse, die nach dem ganz persönlichen Geschmack bemalt werden und sich schließlich als öffentliches Verkehrsmittel auf den Straßen herumtreiben.

Wenn man etwas außerhalb von Cebu City ist, kann man auch die vielen Trysikad/ Trycicles nehmen. Es sind Fahrräder bzw. Motorräder, welche einen kleinen Wagen neben sich herumtragen. Durch diese Transportmittel werden die Straßen zu einem kunterbunten Vergnügen. Manchmal hat man sogar das Glück, einen Verkehrspolizisten zu sehen, der seine Arbeit aus Langeweile einfach mit einem Tänzchen schmückt.

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Nach einer eindrucksvollen ersten Orientierungswoche konnten wir endlich zu unserem Projekt „San Pio Village“ fahren, welche für die kommenden 8 Monate unser Zuhause sein soll. Es ist eine Wohngemeinschaft, welche aus 125 Häusern besteht. Dort leben Menschen mit vielen, verschieden Geschichten. Von Familien, die auf den Straßen gelebt haben, über Menschen mit sehr geringem Einkommen und schlechten Lebensbedingungen bis hin zu Scavangers, die aus der Dumpsite kommen. Der Fokus liegt allerdings auf letzteren.

Dennoch haben sie alle eine zweite Chance auf ein besseres Leben bekommen, indem man sie in eine Wohngemeinde umsiedelte. Durch einen monatlichen Beitrag von 900 Peso (ca. 18 €) können sie ihr neues Zuhause beziehen. Dabei geht es nicht nur um die Zahlung selber sondern man versucht den Menschen Würde zu geben. Sie sollen das Gefühl haben, einen eigenen Beitrag zum Haus geleistet zu haben. Falls ein Aufbringen des Geldes nicht möglich zu sein scheint, gibt sich JPIC auch mit einer kleineren Summe zu frieden. Nach 25 Jahren sind die Häuser abbezahlt. Da das Projekt sehr auf Nachhaltigkeit beruht und den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe geboten wird, werden sie beim Aufbau eines kleinen Business unterstützt.

Dabei bekommen sie Gelder beispielsweise für ein Trycicle oder Materialien, um frittierte Bananen zu verkaufen. Nach 3 Monaten soll die Hälfte von den 1000 Pesos (ca. 20€) zurück bezahlt werden. Die Menschen haben nicht nur die Möglichkeit auf den eigenen Beinen zu stehen, sondern sie wohnen endlich in einer sicheren und sauberen Gemeinde und besitzen ihr eigenes kleines Haus. Eines von diesen blieb jedoch leerstehend und hatte nun die Aufgabe, ein neues Heim für Freiwillige zu bieten. Am ersten Abend noch richteten wir unser neues Haus ein und mussten zugleich feststellen, dass dieses nicht mit den deutschen Standards gleichzusetzten ist. Es fehlt an fließendem Wasser, weshalb man mindestesn zwei Mal am Tag zur Wasserpumpe gehen muss.

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Dass die Gastfreundlichkeit auf den Philippinen sehr groß geschrieben wird, bemerkte ich schon am ersten Abend. Noch bevor meine Teampartnerin und ich richtig angekommen waren, wurden wir direkt von Nanay Glen so gut wie adoptiert. Nanay ist ein cebuanisches Wort und bedeutet Mama. Auch die Jugendlichen empfingen uns mit offenen Armen und einem sehr lebhaften, niedlichen Humor. Jene kleinen Kinder, die nicht zu sehr Angst vor uns hatten, kamen auf uns zu und nahmen unsere Hand und führten diese zu ihrer Stirn. Dies ist eine ganz besondere Form des Grüßens, welches vor allem bei älteren Personen Anwendung findet. Damit möchte man seinen Respekt für diese ausdrücken.

Es ist schwer, sich bei so viel Herzlichkeit nicht sofort heimisch zu fühlen. Dass die Filipinos in sich schlummernde Supertalente haben, blieb nicht lang unentdeckt. Mit ihren einzigartigen und mit viel Volumen gefüllten Stimmen, brachten sie mich zum Staunen. Auch beim Zumba, welches ich am ersten Abend bereits besuchte, machte ich mich schnell zum Affen. Im Vergleich zu den philippinischen Genen fehlte es mir am rhythmischen Taktgefühl um den komplizierten Schritten zu folgen. Somit machte ich mich geradezu lächerlich und die vielen Lacher blieben mir auch nicht erspart.

luisa-hogrebeDie erste Aufgabe meines Freiwilligendiensts war es, sich in der gesamten Wohngemeinde vorzustellen. So begegnete ich mit meiner Teampartnerin den Menschen mit „ako si Luisa“ und einem freundlichen „Malipayon ko nga ma-ila ila tica“ (Schön dich kennen zu lernen). Cebuano ist einer der vielen verschieden Sprachen auf den Philippinen. Sie wird hauptsächlich in der Inselgruppe der Visayas gesprochen. Diese erste Aufgabe eröffnete mir einen ersten Einblick in das Leben verschiedener Familien, die in San Pio leben. Erneut wurde ich mit der große Kinderanzahl konfrontiert. Was in Deutschland als Großfamilie bezeichnet wird, stellt auf den Philippinen den Normalstand dar.

So kam es auch mal vor, dass Eltern 6, 9 oder gar 13 Kinder hatten. Das System, welches es damals bei unseren Vorfahren vor über 100 Jahren gab, scheint hier noch stark präsent zu sein. Je mehr Kinder man hat, desto abgesicherter ist man im Alter. Auffällig waren außerdem die riesigen Plüschtiere, die eingepackten Puppen. Viele Familienbilder, mit kleinen Herzen verzieren die Wände. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass der Geschmack der Filipinos stark zum Kitsch neigt. Viele andere Häuser standen allerdings auch leer und waren sehr kahl doch niemals fehlte ein religiöses Symbol, wie der Rosenkranz.

Fasziniert von der Rosary (Rosenkranzgebet), bekam ich einen Einblick in die Kultur und in den starken Glauben der Einwohner von San Pio. Jeden Abend versammeln sich viele Kinder und Erwachsene, um mit Kerzen und religiösen Statuen durch die Siedlung zu ziehen. Sie beten dabei mit dem Rosenkranz, um der Jungfrau Maria, Mutter des Kindes Jesus Christus, näher zu sein. Zum Abschluss gehen sie jeden Tag in ein anderes Haus, um dieses zu segnen. Diese Aktivität zeigt, was für eine große Rolle die Religion in ihren Leben spielt.

Obwohl ich gerade erst in dem Projekt angekommen bin, fühlt es sich schon wie zweites Zuhause an. Es hat nur einen Abend gebraucht, ein Mitglied der San Pio-Familie zu werden. Die ersten 2 Wochen waren für uns eine Eingewöhnungsphase. Nun bin ich gespannt, welche Aufgaben und neue Erfahrungen auf mich zukommen werden.

Dieser Beitrag stammt von Luisa Hogrebe. Sie lebt derzeit in Cebu City und leistet einen vorbildlichen Freiwilligendienst vor Ort. Ihren ersten Beitrag findet ihr hier. Übrigens: wer ebenfalls philippinische Jugendliche unterstützen möchte, der kann das z.B. im Rahmen unseres Philippinen Tours Scholarship Programme tun:D.